Von Natur aus sind unsere Zähne fest im Kieferknochen verankert. Der sogenannte Zahnhalteapparat fixiert den Zahn im Kieferknochen und sorgt dafür daß unsere Zähne stabil sitzen und in ihrer Lage bleiben. Er besteht aus einem knöchernen Fach in das der Zahn eingepaßt ist (die Alveole), dem Zahnfleisch und der aus Kollagenfasern bestehenden Wurzelhaut.
Bei vielen Menschen erkrankt dieser Zahnhalteapparat durch einen Entzündungsprozess der als Parodontitis bezeichnet wird. Dabei baut sich der Alveolarknochen um den Zahn herum ab. Die Folge: der Zahn wird nach und nach locker und fällt irgendwann aus. Ursachen für die Parodontitis sind eine uneffektive Mundhygiene und spezielle Bakterien die in den winzigen Spalt zwischen Zahnfleisch und Zahn eindringen. Sie gelten als Entzündungsauslöser, aber auch individuelle Faktoren bestimmen den Krankheitsverlauf. Raucher unterliegen einem besonders hohen Risiko an Parodontitis zu erkranken.
Die Parodontitis ist in den meisten Fällen schmerzlos und wird somit vom Patienten zu spät wahrgenommen. Eine unbehandelte Parodontitis gilt zudem als gesundheitlicher Risikofaktor, insbesondere im Falle von Diabetes und Herz- Kreislauferkrankungen. Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie e.v. ist die Häufigkeit für mittelschwere und schwere Parodontalerkrankungen bei Erwachsenen und Senioren seit der letzten Erhebung 1997 um 26,9% bzw. 23,7% angestiegen.
Unter den Erwachsenen leiden 52,7% unter mittelschweren und 20,5% unter schweren Formen der Parodontitis. Nach dem 45. Lebensjahr ist die Parodontitis die häufigste Ursache für den Zahnverlust.
Initialbehandlung
Der Ablauf der Behandlung richtet sich nach dem international gültigen Parodontalen Screeningindex aus dem sich der Schweregrad der Erkrankung und ihre therapeutischen Konsequenzen ergeben. Die wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg sind eine effektive und regelmäßige Mundhygiene! Deshalb liegt uns viel daran daß Sie die Techniken einer effizienten Mundhygiene erlernen. Tatsache ist daß die meisten Patienten den Aufwand erheblich unterschätzen. Es ist jedoch essentiell für den langfristigen Erfolg der Behandlung daß die Mundhygiene auf konstant gutem Niveau bleibt. Objektiv messbar ist der Mundhygienezustand durch den sogenannten Mundhygienestatus der integraler Bestandteil der Parodontalvorbehandlung ist.
Zudem schließt die Initialbehandlung professionelle Zahnreinigungen und das sogenannte Scaling und Rootplaning (SRP) ein. Hierdurch werden alle subgingivalen Konkremente und der bakterielle Biofilm entfernt. Nachdem die Initialbehandlung abgeschlossen ist, erfolgt nach einigen Wochen die Neubewertung (Reevaluation) der parodontalen Situation aus der sich die weiteren therapeutischen Konsequenzen ergeben.
Parodontale Erhaltungstherapie (PET/UPT)
Die Behandlung eines parodontal erkrankten Patienten ist niemals vollständig abgeschlossen. Um den Behandlungserfolg zu sichern, sind regelmäßige Nachkontrollen und professionelle Zahnreinigungen notwendig. Zahnfleischtaschen die >= 4mm sind und eine Blutung auf Sondierung aufweisen müssen in regelmäßigigen Abständen nachgereinigt werden. Ein optimaler Behandlungserfolg ist erzielt wenn alle Zahnfleischtaschen <= 4mm tief sind und keine Blutung auf Sondierung mehr auftritt.
Prävention
und Behandlung parodontaler Erkrankungen im schematischen Ablauf
In manchen Fällen kann es sinnvoll sein verloren gegangenen
Knochen bzw. Zahnhalteapparat zu regenerieren. Dazu ist ein kleiner
chirurgischer Eingriff notwendig in dem ein so genanntes Schmelzmatrixprotein
oder auch autologer Knochen in den Defekt eingebracht wird.
Im Folgenden ist der schematische Ablauf dargestellt:





Durch falsche Putztechnik oder Parafunktionen wie beispielsweise Zähneknirschen kann sich das Zahnfleisch stark zurückziehen und zu freiliegenden Zahnhälsen führen. In diesen Fällen ist eine plastische Deckung möglich. Diese kann aus ästhetischen aber auch funktionellen Gründen sinnvoll sein. Im Folgenden ist der Ablauf schematisch dargestellt:



Grafiken mit freundlicher Genehmigung der Fa. Straumann
Raucherberatung
Das Rauchen gilt als eine der größten Gesundheitsgefährdungen. Das Risiko an einer Parodontitis zu erkranken ist durch das Rauchen signifikant erhöht! Darüber hinaus sind die parodontalen Therapiemöglichkeiten und Erfolgsaussichten im Falle von Rauchern stark eingeschränkt.
Therapieziele sind:
Diagnostik
Sind Sie ein dissonanter oder konsonanter Raucher?
Der dissonante Raucher erachtet Rauchen als ein negatives Verhalten, während der konsonante Raucher trotz Kenntnis der negativen Folgen mit positivem Gefühl raucht. Nur der dissonante Typ ist zugänglich für eine Entwöhnung!
Möglichkeiten der Rauchentwöhnung: